Vielversprechender Trick aus der Reihe “wie schreibe ich wirklich eine Dissertation”:
Schreibe jeden Tag eine Seite. Genau eine Seite, nicht mehr und nicht weniger! Höre mitten im Satz auf, wenn die Seite voll ist.
Das ist meine Seite für heute:

Die letzten Worte auf der Seite lauten “nicht bewirken, dass die”. Dort schreibe ich am Montag weiter.
Der Vorteil eines solch abrupten Abbruchs soll sein, dass man 1. in der Zwischenzeit mehr über seine Arbeit nachdenkt und 2. der Einstieg in das Weiterschreiben leichter fällt. Den Trick hat mir jemand verraten, der seine Arbeit noch mit der Schreibmaschine getippt hat. Ich habe mich lange gesträubt, ihn anzuwenden – ich dachte, es sei praktisch, an mehreren Stellen gleichzeitig herumzuschreiben. Denkste: Das schafft bloß Ausreden für Fluchtversuche vor langweiligen Themen. Jetzt also auf diese Weise. Ich werde weiter berichten.
schreibt man auch nur eine seite, wenn man eigentlich mehrere am stücksc hreiben könnte?
Gute Frage! Mein Plan bisher: Erst eine Seite schreiben, und nur wenn danach noch Zeit und Willen ist, eine weitere (dazwischen Pause).
Ich schreibe lange Textstücke immer so phasenweise, quasi “vom Groben ins Feine”: Ich überlege mir zuerst das ungefähre Thema, dann konkretisiere ich es, bis ich ungefähr ein Abstract stehen habe. Dann recherchiere ich alle Fragen, die ich für relevant halte, und sobald ich das Thema halbwegs im Griff habe, schreibe ich ein Inhaltsverzeichnis (bzw. wenn es sich um einen journalistischen Text handelt, ein Storyboard).
Als nächsten Schritt reichere ich das Inhaltsverzeichnis mit Stichworten und Gedankenfetzen an, die ich dann, falls nötig, durch weitere Recherchen untermauere. Am Ende dieses Prozesses steht ein Text, der quasi fertig ist, nur dass er eben noch geschrieben werden muss – das erledige ich dann meist in einem Aufwasch von mehreren Tagen. Dieser Text wird dann weiter verfeinert, verbessert und der Kritik der Testleser ausgesetzt. Und dann ist er irgendwann fertig.
Ich habe allerdings noch nie eine Arbeit im Umfang einer Doktorarbeit geschrieben…
So mache ich das bei Aufsätzen, Vorträgen, etc. auch, wenn auch vielleicht nicht so konsequent. Ich lege zahlreiche Baustellen an, die ich nach und nach fertigstelle.
Für buchdicke Veröffentlichungen hat sich diese Variante als untauglich herausgestellt. Die Fluchtgefahr (s.o.) ist auf der Langstrecke allzu groß bzw. die Chance zur rechtzeitigen Rückkehr (bevor man alles vergessen hat) allzu klein. Ich brauchte also ein System, das mich halbwegs zwingt, am Ball – an einem Ball! – zu bleiben. Wobei man auch hierfür vorab eine möglichst vollständige Gliederung braucht – aber die habe ich.
Die Methode funktioniert nicht mehr, wenn man LaTex benutzt … dann weiss man gar nicht, ob die Seite voll ist.