Hässliche Juristensprache (1)

Aus|fluss, der, -es, -flüs|se: Ein Sachverhalt, Zustand oder Umstand, der sich aus einem anderen Sachverhalt, Zustand oder Umstand ergibt. Wird gerne verwendet, wenn das Wort “Ausdruck” nicht saftig genug erscheint oder wenn dem Verfasser nicht einfällt, wie man es deutlicher sagen kann.

Beim Lektorieren einer hochschulrechtlichen Publikation fand ich binnen weniger Seiten folgende Anwendungsbeispiele:

“So ist etwa die Vereinbarung beamtenrechtlicher Versorgungsgrundsätze als Ausfluss der Vertragsfreiheit möglich.”

“Versorgungsrechtliche Ansprüche des Beamten ergeben sich als Ausfluss des im Beamtenverhältnis geltenden Alimentationsprinzips.”

“Waldeyer sieht demgegenüber das Zustimmungserfordernis bei allen Hochschullehrern als gegeben an, und zwar als Ausfluss der Wissenschaftsfreiheit.”

“Der Hochschullehrer ist als Ausfluss der Wissenschaftsfreiheit grundsätzlich berechtigt, auch außerhalb des Aufgabengebiets, das ihm zugewiesen ist, zu lehren und zu forschen.”

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8 Responses to Hässliche Juristensprache (1)

  1. verteidiger says:

    … und beim Googlen findet sich noch weniger Appetitliches. ;-)

  2. Michael Krone says:

    “Ausscheidung” (Ergibt sich bei einer Teilung eines Falles, wenn einer der beiden Teile eine neue Akte bekommt.) gefällt mir auch ganz gut: Der Begriff bezeichnet einerseits den Vorgang an sich, andererseits aber auch den ausgeschiedenen Teil :-)

  3. St. Ivo says:

    Der Begriff “Ausfluss” hat in der abendländischen Philosophie eine schöne mehrtausendjährige Tradition (griech. aporrhoia; lat. emanatio).

    Aber wat der Bauer nich kennt …

  4. Bernie says:

    @St. Ivo: Abendländisch hin, mehrtausendjährig her: Finden Sie die genannten Beispiele schön (griech. aisthetikos; lat. formonsus)?

  5. Augusta says:

    Böööse!

  6. Marga says:

    ich hab auch noch einen:

    “Als Ausfluss des Gebots der Gewährung effektiven Rechtsschutzes ist die den Ruf erteilende Stelle verpflichtet, den nichtberücksichtigten Bewerbern rechtzeitig vor der Ernennung oder Anstellung des Rufinhabers eine begründete Mitteilung zu machen, dass und weshalb sie in dem Auswahlverfahren keine Berücksichtigung gefunden haben.”

    woher das bloß alles kommt?

  7. Marga says:

    einer geht noch:

    “Unabhängig von Ausstattungsvereinbarungen und deren befristeter Laufzeit steht jedem Hochschullehrer eine sog. Mindest- oder Grundausstattung als unmittelbarer Ausfluss eines verfassungsrechtlich gewährleisteten Teilhaberechts aus Art. 5 Abs. 3 S. 1 GG an den der Hochschule zur Verfügung stehenden Ressourcen zu.”

  8. TS says:

    ich auch,

    “Der Schuldner hat den Gläubiger befriedigt.”

    Zumindest brauchte der Gläubiger nicht sich selber..

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