Schlau genug für Google Inc.?

27. September 2007

Wer will einen Arbeitsplatz bei Google? Er oder sie sollte diese Frage beantworten können:

In einem Dorf leben 100 Ehepaare. Jeder Mann in diesem Dorf hat seine Frau betrogen. Jede Frau in dem Dorf erfährt sofort, wenn ein anderer Mann als ihr Ehemann seine Frau betrügt, erfährt aber nicht, wenn ihr eigener Mann sie betrügt. Im Dorf ist Ehebruch gesetzlich verboten, und jede Frau, die beweisen kann, dass ihr Mann untreu war, muss ihn am noch am selben Tag töten. Die Dorfbewohnerinnen würden dieses Gesetz niemals missachten. Eines Tages kommt die Königin des Dorfes und verkündet, mindestens ein Ehemann sei untreu gewesen. Was geschieht?

Ich bin mir noch nicht ganz sicher, ob ich die richtige Lösung weiß. Hier (oder auch hier) stehen weitere Fragen aus den Einstellungstests – auf Englisch. Die Übersetzung ist von mir.


Hochbegabtenförderung verfassungswidrig?

25. September 2007

Jurastudenten aufgepasst! Auch wenn Sie durch die letzte Hausarbeit gefallen sind: Sie können immer noch “Gutachter” für SPIEGELOnline werden. Die Hürden sind nicht ganz so hoch wie beim kleinen Ö-Recht-Schein. Eine Seite Text genügt, und lassen Sie sich durch die Bezeichnung nicht verwirren: Den Gutachtenstil brauchen Sie hier nicht.

Klaus Michael Alenfelder, Rechtsanwalt und “Experte für Anti-Diskriminierungsrecht”, hat ein solches “Gutachten” verfasst. Der Sachverhalt: Die Universität Freiburg befreit Studienplatzbewerber von den Studiengebühren, wenn sie einen IQ ab 130 nachweisen. Rechtsgrundlage ist eine landesrechtliche Vorschrift, die eine Befreiungsmöglichkeit für Studierende mit “weit überdurchschnittlicher Begabung” vorsieht (§ 6 Abs. 1 S. 3 LHGebG B-W).

Dieser IQ-Rabatt ist verfassungswidrig! meint Alenfelder, und beruft sich auf Art. 3 Abs. 1 und 3 GG. Nach der Rechtsprechung des BVerfG (BVerfGE 88, 87 und BVerfGE 111, 160) müsse hier ein besonders strenger Maßstab angelegt werden, denn erstens beziehe sich die IQ-Regelung auf Personengruppen, und zweitens könnten die Betroffenen durch ihr Verhalten nichts an ihrer Zuordnung ändern. Für eine derartige Ungleichbehandlung benötige man einen besonderen Rechtfertigungsgrund. Alenfelder hat lange überlegt, und das ist ihm eingefallen:

“Einziger Rechtfertigungsgrund kann sein, dass Studenten mit einem höheren Intelligenzquotienten das Studium mit größerer Wahrscheinlichkeit abschließen. Damit würden überflüssige Kosten eingespart, die durch die Zulassung von Studenten auftreten, die das Studium nach einiger Zeit abbrechen.”

Dieser Rechtfertigungsgrund aber sei bereits in seiner Grundannahme “ein unbewiesenes Vorurteil”, denn der Studienerfolg sei von “zahlreichen verschiedenen Voraussetzungen” abhängig und nicht nur von der Intelligenz. Hochbegabung könne sogar schädlich sein:

“So scheint gerade bei Hochbegabten der Anteil von Minderleistern höher als bei normal begabten (50 Prozent statt 40 Prozent, Prof. Ziegler, Vortrag 12.07.2003). “

(Ehrlicherweise hätte er an dieser Stelle sagen sollen, dass sich Zieglers Zahlen auf Schulkinder beziehen, nicht auf Studenten und dass es andere Statistiken mit anderen Ergebnissen gibt.)

Alenfelder fährt fort: Selbst wenn man annähme, die Gleichung “IQ=Studienerfolg” gehe auf,

“…reichte der prognostizierte bessere Studienerfolg nicht aus, um einen Verstoß gegen Artikel 3 Abs. 1 GG zu rechtfertigen. Erforderlich wären wesentliche und nachweisbare Gründe, die ausnahmsweise die Ungleichbehandlung der Studenten nach Intelligenzquotient rechtfertigten. “

An dieser Stelle müsste es spannend werden. Gibt es “wesentliche und nachweisbare” Gründe für die Ungleichbehandlung? Ist eine niedrigere Abbrecherquote wirklich der “einzige” Rechtfertigungsgrund? Was hat sich der Gesetzgeber überhaupt mit § 6 Abs. 1 S. 3 LHGebG gedacht? Hat er sich im Rahmen des ihm zustehenden Gestaltungsspielraumes gehalten? Man könnte prüfen, ob der Begriff der “Begabung” (der auch in der Landesverfassung steht, Art. 11 Abs. 1) zu unbestimmt ist. Ob die Universität Freiburg die gesetzliche Ermächtigung richtig aufgegriffen hat. Ob der IQ überhaupt ein Indiz für “Begabung” ist. Man sollte bei der Abwägung im Auge behalten, dass es hier nicht um Studienplätze, sondern um 500 Euro pro Semester geht, die einige Studenten nicht bezahlen müssen.

Und was schreibt Alenfelder?

Nichts. Das Gutachten ist an dieser Stelle zu Ende. Jedem Jurastudenten hätte man für diese Subsumtion dicke Bleistift-Kringel an den Rand gemalt. Für SPIEGELOnline ist sie offenbar gut genug.


Großartige Songs unter 2:30 (4)

25. September 2007

Richard Cheese – Rape Me, 1:56
(YouTube-Fanvideo mit Song)

Alle Teile der Serie in diesem Blog


    Lange Oktobernächte

    24. September 2007

    Hurra! Die Cleveland Indians haben sich am Wochenende gegen Oakland den Divisionstitel und damit die Teilnahme an den Play-Offs gesichert. Das bedeutet lange Nächte vor dem Fernseher – möglicherweise bis zum 1. November, denn die Chancen der Indians auf eine Teilnahme an der World Series sind so gut wie lange nicht mehr. Spielkunst, Moral, Strategie, Glück, alles passt gerade wunderbar zusammen. Wie zum Beispiel hier, am 28.08. gegen Minnesota:

    (YouTube Direkttripleplay)


    Schlimme Selbsterkenntnis aus dem Schwimmbad (2)

    20. September 2007

    Sport ist gut für die Psyche? Von wegen! Die schlimmsten Selbsterkenntnisse kommen mir beim Schwimmen.

    Zum Beispiel diese: Ich bin ein Spießer. Ich habe erst heute entdeckt, dass im Schwimmbad meiner Wahl zwischen Umkleide und Ausgang eine “Barfuß-Zone” liegt. Also Schuhe aus! Seit der Eröffnung im Mai bin ich immer fröhlich mit Straßenschuhen durchgelatscht, ab heute ist Schluss damit. Brav laufe ich barfuß, die Schuhe in der Hand. Mir kommt eine Frau entgegen. Sie hat ihre Schuhe an. Ich denke: “Kann die nicht lesen?”

    Vorher in diesem Blog: Schlimme Selbsterkenntnis aus dem Schwimmbad


    Wie ich einmal fast in einer Großkanzlei gelandet wäre

    17. September 2007

    Es war in einer dieser Städte, die wie ein einziges großes Büro aussehen. Eine Großkanzlei hatte zum Vorstellungsgespräch geladen. Warum mich, den Öffentlichrechtler? Sie suchten jemanden für die Inhouse-Beratung bei einer Bundesbehörde, und ich war ihnen empfohlen worden. Der Associate, der bisher alleine damit betraut war, wurde mit dem Arbeitspensum nicht mehr fertig. Nach einem niederschmetternden Assessment-Center-Erlebnis kurz zuvor freute ich mich über die Einladung.

    Da saß ich im Foyer, griff mir eine Zeitung und wartete. Ungefähr zehn Minuten dauerte es, dann holte mich ein blasser, nervöser Mittdreißiger ab – der überbelastete Associate. Seine Begrüßung: “Ach, ich sehe, Sie vertreiben sich die Zeit mit der F.A.Z., wie schön. Ich komme ja gar nicht zum Zeitung lesen, höchstens mal im Flugzeug, aber da muss ich auch meistens arbeiten.” Der Mann war ganz offensichtlich ein As im Small-Talk.

    Der Märtyrer-Associate führte mich dem Partner vor, der das Sagen hatte, und der, wie ich neulich gelernt habe, “Hiring Partner” heißt. Der war freundlich und gelassen und hatte offensichtlich mehr Zeit. Nach etwa eineinhalb Stunden wurde das Gespräch in einem nahen Restaurant fortgesetzt, den Märtyrer nahmen wir mit. Dort wurde es lockerer, das Gespräch drehte sich um irgendwelche kulturellen Dinge, Bildungsbürger-Blabla. Offenbar wollte mein Gegenüber herausfinden, ob da ein Fachidiot vor ihm saß. So warfen wir uns gegenseitig unser feuilletonistisches Halbwissen an den Kopf und versuchten geistreiche Bemerkungen, gelegentlich unterbrochen vom Märtyrer-Associate, der noch einmal auf seine Arbeitsbelastung aufmerksam machen wollte.

    Meine Vorstellung war wohl gut genug. Am Schluss eröffnete mir der Partner, ich hätte ihn überzeugt, er würde meine Einstellung befürworten. Allerdings müsste noch der Partner zustimmen, dem ich dann zugeteilt wäre. Der saß in der Stadt, die manchmal wie ein einziger großer Hundehaufen riecht. Ich vereinbarte einen Termin für die kommende Woche.

    Dazu kam es aber nicht mehr. Einen Tag vor dem Termin stellte ich mich bei jenem Arbeitgeber vor, bei dem ich heute beschäftigt bin, und wurde eingestellt. Der Großkanzlei sagte ich ab. Jetzt arbeite ich seit zwei Jahren an einer Universität, bekomme sehr viel weniger Geld, habe sehr viel mehr Zeit, lebe in Frieden mit meinen Kollegen und feile an meinem wissenschaftlichen Ruf. Natürlich kann ich verstehen, dass sich jemand anders entscheidet, vielleicht des Geldes wegen, vielleicht, weil er sich bessere Arbeitsbedingungen erhofft: Eine Sekretärin, ein schickes Arbeitszimmer, einen vollen Kühlschrank im Büro! Ich habe andere Prioritäten. Meine Absage habe ich nicht bereut.


    1199,8m

    16. September 2007

    Herausforderung angenommen.

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    Nachtrag, 17.08.:

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    Schon in der Luft wusste ich, das läuft gut.

    (zum Spiel)