Warum dieses Blog kein Impressum hat

[Hinweis: Dieser Text ist mittlerweile nur noch von historischer Bedeutung. Dieses Blog hat ein Impressum]

Ich schreibe hier als “Bernie”, aber das ist natürlich nicht mein richtiger Name. Meinen richtigen Namen nenne ich hier nicht. Warum nicht? Auf diese Frage gibt es zwei Antworten, eine kurze und eine lange.

Die kurze Antwort lautet: Weil ich es so will.

Das genügt Ihnen nicht? Hier kommt die lange Antwort.

Ich habe gerade erst mit dem Bloggen angefangen, am 16. August dieses Jahres. Damals hatte ich nur eine vage Ahnung davon, womit ich mein Blog zukünftig füllen würde. Es gab keinen Plan, wie der erste Eintrag eindrucksvoll beweist. Dieses Blog hätte sonstwas werden können: Juristisches Blog, privates Blog, Selbstbespiegelungsblog, Katzenbilderblog, Lästerblog, Schimpfblog, Heulblog. Manche Einträge lassen sich aber nur schreiben, wenn niemand den Urheber kennt. Also habe ich vorsichtshalber meinen Namen weggelassen.

Heute, nach gut zwei Monaten Bloggerei, ist mir gerade mal die ungefähre Richtung klar: Dieses Blog ist “Juratainment” – ein bisschen Jura, ein bisschen Drumherum, im Zweifel eher lustig als dogmatisch. Ich bin kein Günter Wallraff, kein GBN und kein Bestatter; ich will nicht inkognito recherchieren, nicht über mein berufliches Umfeld lästern und auch keine datenschutzrelevanten Kundenanekdoten preisgeben. Trotzdem bin ich immer noch unsicher: Will ich für jeden Beitrag hier jedem gegenüber mit meinem Namen einstehen? Gegenüber meinen Bekannten, meinen Studenten, meinen Kollegen, meinem Arbeitgeber und gegenüber allen Leuten, die mir beruflich und privat begegnen oder mal begegnet sind?

Denn das ist das Problem: Wenn ich meinen Namen hier nenne, findet jeder dieses Blog, der nach mir googelt. Das wiederum passiert erstaunlich häufig, wie mir der Counter auf unserer Uni-Seite verrät. Und einmal eine Spur im Netz hinterlassen heißt kann heißen, für immer auffindbar zu sein. Wer meinen Namen bei Google eingibt, findet einen Gästebucheintrag von vor acht Jahren. Der Schritt will also wohlüberlegt sein. Ich habe noch nicht zu Ende überlegt.

Um den Schutz vor Abmahnungen und sonstigen Wirrungen geht es mir dabei überhaupt nicht. Mein Blog enthält reichlich Hinweise auf meine Person, darüber mache ich mir keine Illusionen. Wer ein bisschen Spürsinn, zuviel Neugier und genügend Stalker-Skills mitbringt, der wird mich identifizieren können, wenn er es darauf anlegt. Viel Spaß, und meinen Glückwunsch, wenn Sie mich gefunden haben. Falls Sie auch meine Privatadresse herausbekommen haben: Besucher werden gebeten, sich anzumelden.

Ich erwarte von meinen Lesern, dass sie diese Entscheidung respektieren. Wer dazu nicht imstande ist, den möchte ich freundlich bitten, woanders mitzulesen. Alle anderen sind herzlich willkommen.

Allzu deutliche Hinweise auf meine Person in den Kommentaren werden gelöscht.

Disclaimer: Weil das hier (auch) ein juristisches Blog ist, folgt noch ein Hinweis auf die Impressumspflicht. Die Rechtslage ist in diesem Beitrag von Telemedicus wunderbar dargestellt. Ich behaupte, dass mein Blog ausschließlich persönlichen Zwecken dient und deshalb nicht nach § 55 RStV impressumspflichtig ist. Diese Rechtsansicht mag man anzweifeln, indem man – wie es auch Telemedicus macht – diese Ausnahme nicht auf Hobby-Blogs erstreckt. Ich teile diese Ansicht nicht – was wohl niemanden überraschen dürfte. Meiner Auffassung nach gebietet es das Recht auf informationelle Selbstbestimmung, § 55 RStV restriktiv auszulegen. Es muss möglich sein, sich regelmäßig in der Öffentlichkeit privat zu äußern, ohne dafür der Welt seinen Namen und seine Anschrift zu verraten. Im Übrigen ist mir vor den Rechtsfolgen (§ 59 Abs. 3 § 49 Abs. 2 Nr. 7 RStV) nicht allzu bange. Da mein Blog mir nicht einen einzigen Cent verschafft, drohen mir auch keine wettbewerbsrechtlichen Konsequenzen. Ähm. Drohen sie doch nicht, oder?

8 Responses to Warum dieses Blog kein Impressum hat

  1. Simon says:

    Nein, drohen sie nicht. Eine wettbewerbsrechtliche Abmahnung setzt nach § 3, § 2 Abs. 1 Nr. 1 UWG ein “Handeln mit dem Ziel, zugunsten des eigenen Unternehmens den Absatz oder den Bezug von Waren … zu fördern” voraus. Das sehe ich hier nicht gegeben.😉

    Ich kann auch sonst deine Entscheidung verstehen. Ich persönlich halte es anders; ich kann und will nichts verbreiten, das ich nicht auch unter meinem vollen Namen vertreten könnte. Andererseits sind die Risiken, gerade was Bloggen angeht, oft unkalkulierbar. Du weißt nie, wer noch mitliest. Und gar nicht mal so selten sind das Leute, bei denen man das eher nicht so gerne hat (Arbeitgeber, Erbtanten etc.).😉

  2. Bernie says:

    Siehste, an die Erbtanten hatte ich noch gar nicht gedacht!😉 – Danke!

  3. ElGraf says:

    Die Rechtsfolge würde ich eher in § 49 Abs. 1 S. 2 Nr. 7 RStV suchen. Ist aber natürlich auch nur eine Nebelbombe.

    Nur noch mal zur Klarstellung: Ich respektiere die Entscheidung “anonym” zu bloggen uneingeschränkt.
    Man muss sich als Blogger nur auch bewusst machen, welche Reaktionen anonyme Kommunikation auf die Leserschaft hat. Oder geht es Ihnen etwa nicht so, dass Sie gerne wüssten, wer z.B. hinter dem GBN steckt (beim Bestatter ist es mir persönlich eher egal). Gerade kontroverse Thesen, vor denen Sie auch nicht zurückschrecken, erscheinen eben in einem ganz anderen Licht, wenn man sieht, wer sie vertritt.

    Ich empfehle Ihnen in diesem Kontext den Beitrag von Rains/Scott, To Identify or Not to Identify, siehe http://tinyurl.com/yp2tk4 (Vorsicht PDF).
    Viel Spaß bei der Lektüre!

  4. Bernie says:

    @ElGraf: Okay.

    Kritische oder ablehnende Reaktionen auf meine (relative) “Anonymität” muss ich akzeptieren, und ich kann das auch. Die deutlichsten kamen allerdings von jemandem, der seinerseits anonym bleiben möchte – von Ihnen. Das ist schon etwas seltsam, zumal auch Sie “kontroverse Thesen” vertreten haben.

    Natürlich wüsste ich gerne, wer der GBN ist, noch lieber wüsste ich, wo er arbeitet. Für mich gehört es aber zum guten Ton – und das gilt für jeden “anonymen” Schreiber, von der Paralegal bis zur Froschkönigin – die Gründe für die Anonymität nicht zu hinterfragen (beim GBN liegen die eh auf der Hand). Der Verfasser wird sich dabei schon was gedacht haben, und entweder ich akzeptiere das, oder ich lese seine Beiträge nicht. Das ist ein Zeichen des Respekts, den ich eingefordert habe, und der zur Kommunikation dazugehören sollte, auch wenn man in Sachfragen anderer Ansicht ist. Wenn ich im Netz kommuniziere, als Blogger oder als Kommentator, bin ich nicht uneingeschränkt öffentlich, sondern nur so weit, wie ich das möchte. Aber gut, das scheint ja jetzt klar geworden zu sein.

    Die 31 Seiten PDF habe ich mal als Lesezeichen gespeichert – heute wird das nix mehr. Zu § 59 RStV… ähem. Ja genau, war nur eine Nebelbombe. Äh. Trotzdem.

  5. Simon says:

    Ehrlich gesagt – nein, ich messe einem “anonymen” Kommentar nicht die selbe Bedeutung bei wie einem, der unter echtem Namen veröffentlicht wurde. Ich empfinde Kommentare unter Bezeichnungen wie “Anonym” oder “Ein Leser” als ziemlich unangenehm, vor allem dann, wenn kontroverse Thesen vertreten werden. Verwendet ein User immer wieder das selbe Pseudonym, sehe ich das etwas lockerer.

    Aber trotzdem: Welchen Wert soll ich einer Äußerung beimessen, dass nicht mal ihr eigener Urheber zu ihr stehen will? Ich sehe, wie gesagt, ein, dass es gute Gründe gibt, anonym zu bleiben. In manchen Fällen (Whistleblowing etc.) mag es sogar nötig sein. Aber einen “guten Ton”, der verlangen würde, Anonymität als Normalzustand anzuerkennen, sehe ich nicht.

  6. Bernie says:

    @Simon: Auch ich fordere nicht die Anerkennung meiner “Anonymität” als Normalzustand. Auch ich messe anonymen Kommentaren (und Blogartikeln) nicht die gleiche Bedeutung bei. Von meinen Lesern verlange ich das ebenfalls nicht. Mir ist klar, dass meine Beiträge weniger ernst genommen werden könnten und ich nehme das in Kauf. Aber meine Entscheidung zur “Anonymität” bitte ich zu akzeptieren – was Du ja tust und ElGraf, siehe oben, auch (allerdings fand ich es unangemessen, dass Sie, ElGraf, als anonymer Kommentator Tipps für die Google-Suche nach meinem Namen gegeben haben). Ich erwarte nicht die unkritische Hinnahme meiner Aussagen, sondern Respekt für meine Person. Das sollte eigentlich selbstverständlich sein, ob anonym oder nicht.

    Ich hätte übrigens nicht gedacht, dass das hier überhaupt mal Thema wird. So ganz habe ich es immer noch nicht verstanden. Alle reden von informationeller Selbstbestimmung und von der Datensammelwut des Staates, aber der Dialog mit jemandem, der seinen Namen nicht öffentlich niederschreiben will, ist unangenehm? Darüber muss ich noch mal nachdenken, glaube ich. – Da schau her: Bloggen als öffentlicher Lernprozess. Noch ein Grund, vorerst anonym zu blieben. Wenn ich irgendwann meine Identität lüfte, wird der ganze Beitrag hier gelöscht. Vor meinen Bekannten und Erbtanten werde ich so tun, als sei ich schon immer ein alter Bloghase gewesen!😀

  7. Christian says:

    Anonym zu bloggen ist m.E. völlig in Ordnung. Ich hatte mir das auch überlegt und halte mir das als Option jederzeit offen. Allerdings habe ich die Erfahrung gemacht, daß meine Blogeinträge in meinem beruflichen Umfeld so gut wie überhaupt nicht wahrgenommen werden und auch nur ein kleiner Teil des Freundes- und Bekanntenkreises regelmäßig mitliest. An der Uni ist das aber wohl eine etwas andere Situation.

  8. Bernie says:

    “Allerdings habe ich die Erfahrung gemacht, daß meine Blogeinträge in meinem beruflichen Umfeld so gut wie überhaupt nicht wahrgenommen werden”

    Interessant! Das würde mich auch interessieren: Was erleben “Realname”-Blogger so alles? Hat jemand schon schlechte Erfahrungen gemacht? Stand mal ein gelöschter Kommentator vor der Haustüre oder so? Was gab es Positives? Berichte gerne hier in die Kommentare – auf Wunsch natürlich anonym!

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