F.A.Z.: Professionalisierung durch Verbot am Beispiel des LG Hamburg

Vor zwei Wochen urteilte das LG Hamburg, ein Blogbetreiber habe unter bestimmten Umständen die Obliegenheit zur Vorabkontrolle von in seinem Blog abgegebenen Kommentaren (siehe hier und hier).

Heute schreibt Jürgen Kaube in der F.A.Z., warum er dieses Urteil richtig findet. Die meisten seiner Argumente für strengere inhaltliche Maßstäbe (das basisdemokratische Internet ist eine weltfremde Utopie, Publikum und Berichterstatter stehen auf zwei verschiedenen Seiten, das Netz träumt von einer brot- und themenlosen “Gesellschaft der Amateure”) seien getrost den einschlägigen Medienblogs überlassen. Widerspruch aus juristischer Sicht aber verdient eine Passage, die er einleitet mit der Feststellung, im Einzelfall finde amateurhafte Kritik “viel Nahrung an schlechtem Deutsch, unzulänglichem Wissen, zweifelhafter Information in den klassischen Medien.” Er fährt fort:

Aber solche Seiten im Internet, die es besser machen wollen, werden sich ihrerseits zu einem klassischen Medium mit hoher Selektivität entwickeln müssen, wollen sie nicht die Spezialisierungsvorteile verschenken, die mit Professionalisierung einhergehen. Dem trägt das Urteil des Hamburger Landgerichts Rechnung.

Mit anderen Worten: Liebe Blogger, wenn ihr Profis werden wollt, müsst ihr es so machen, wie es das LG Hamburg vorschlägt – ihr müsst euch professionalisieren, indem ihr die Informationen auf euren Seiten selektiert. Das kann man so sehen. Das Problem ist nur: Das LG Hamburg schlägt nichts vor. Es schreibt vor. Die Vorabkontrolle ist nicht Option, sondern Verpflichtung. Lieber Jürgen Kaube, es gibt kaum eine schlechtere Begründung für ein Verbot als diese: “Es ist doch zu eurem Besten!” Vielen Dank, aber über das Ob und Wie unserer Professionalisierung möchten wir gerne selber entscheiden.

One Response to F.A.Z.: Professionalisierung durch Verbot am Beispiel des LG Hamburg

  1. Jack says:

    Im Wirtschaftsdeutsch nennt man das Behinderung der Konkurrenz durch Erhöhung der “Barrier of Entry”, eine Methode um ein relatives Monopol, hier das Meinungsmonopol der herrschenden Medien, zu erhalten.

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