Der unbefugte Fahrzeuggebrauchsfall von Gladbeck

29. April 2008

Ach, F.A.Z.: Sowohl in Deiner Printausgabe als auch online nennst Du die Geschichte des Josef F. durchweg den “Inzestfall”.

Was war da passiert? Josef F. hielt seine eigene Tochter mehr als 20 Jahre in seinem Keller gefangen, missbrauchte sie und zeugte sieben Kinder mit ihr, von denen er einige ebenfalls einsperrte – sie hatten bis heute nie den Himmel gesehen. Ein anderes Kind starb kurz nach der Geburt; Josef F. verbrannte es in seinem Ofen. Vor seiner Frau und den anderen Kindern, alle wohnhaft im gleichen Haus, hielt er das Kellerverlies geheim. So lautet jedenfalls der Ermittlungsstand, gestützt u.a. auf F.s Geständnis.

“Inzestfall” trifft da nicht ganz den Kern.

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Fußball, du kannst nach Hause gehn

27. April 2008

Gestern nachmittag, an meinem dissertationsfreien Tag, saß ich auf dem Balkon, und wie ich da so sitze und all die fröhlichen Fußballfans betrachte, die gerade zum Spiel gegen Rostock unterwegs sind mit ihren Trikots, Bierflaschen und Fahnen, und ich an meiner Apfelschorle nippe und in Gedanken einen launigen Blogeintrag verfasse, in dem ich von meiner Cottbuser Stadionerfahrung erzähle und davon, dass mir Fußball umso besser gefällt, je weiter ich von den Veranstaltungen entfernt bin, was mir bei der katholischen Kirche übrigens ganz ähnlich geht, als ich also gutgelaunt in die Sonne blinzele und mich freue über den Tag, das Wetter, und das Leben insgesamt, da holt einer von ihnen tief Luft und brüllt aus voller Kehle:

“Juden raus! Juden raus! Geht zurück in euer Land!”

So nicht, Fußball. Das war’s. Ihr könnt absteigen, meinetwegen. Alle.


Informelle Selbstbestimmung

21. April 2008

Katz und Goldt machen sich über langweilige Juristen lustig und patzen* bei der Pointenplatzierung: Es ist natürlich die in-for-ma-tio-nelle Selbstbestimmung. Bitte keine Beschwerdemails schreiben, sonst zeichnen sie noch mehr Juristen! Kleiner Trost: Das passiert nicht nur Comiczeichnern, sondern auch

Sogar ein waschechter Juraprofessor soll schon erwischt worden sein, munkelt man. Ähem.

*Nachtrag: Richtig muss es nun heißen: “patzten”. Sie haben es berichtigt. Nicht mehr nachvollzogen werden kann, ob sie die ganze Sprechblase neu schreiben mussten.


Nichtraucherschutz

21. April 2008

In Brandenburg ist das Rauchen in öffentlichen Einrichtungen seit Jahresanfang verboten. Das betrifft auch meinen Arbeitgeber, die BTU Cottbus. Und schon seit September 2007 darf in der Bahn nicht mehr geraucht werden.

Ergebnis 1: Alle rauchenden BTU-Mitarbeiter, die früher brav ihre kleinen Büros eingenebelt haben, stehen jetzt in den geöffneten Eingangstüren und qualmen die Treppenhäuser voll – man will ja nicht so richtig raus bei dem Regen. Ergebnis 2: Wenn ich in der Bahn einen Sitzplatz reserviere, befindet er sich garantiert – darauf lässt sich wetten – in einem ehemaligen Raucherabteil, wo ich mich von den gewaltigen Geruchsspeicherkapazitäten organisationsprivatisierter Polstermöbel überzeugen kann. Fazit: Seit den neuen Regeln bekomme ich im öffentlichen Raum mehr Zigarettengeruch ab als in den Jahren davor.

Geeignetheit der Maßnahme?

Bonusfrage: Seit wann bin ich eigentlich so pingelig?


Adorno bei Manufactum

12. April 2008

Wer genug Zeit für nutzlose Diskussionen hat, kann sich hier und vor allem hier an der Suche nach dem deutschen Spießer beteiligen. Zwischenstand: Er liebt die Produkte von Apple und trinkt Bionade – obwohl letzere in Wirklichkeit Rassismus transportiert. Und ich dachte immer, Spießertum sei eher eine Geisteshaltung als ein soziales Milieu.

Vor allem aber belegen Thema und Diskussion, dass der Kapitalismus auch von denen gestützt wird, die ihn ablehnen. Coca-Cola ist US-imperialistisch? Kaufen wir Thüringer Ökolimonade! BMW baut stinkende Managerprotzkarren? Bestellen wir den Prius! Geschmacklich verfeindete Konsumentengruppen sorgen für ein vielfältiges Angebot – und damit für kapitalistischen Wettbewerb, ob sie wollen oder nicht.

Es gibt eben kein richtiges Leben im Falschen, nur ein stellvertretendes. Und wer es leben will, der zahlt. Zum Beispiel für den Toaster von Manufactum (€ 289,00). Oder für das Che-Guevara-T-Shirt (€ 19,90). Die Firma dankt.


Endspurt

8. April 2008

Ja, ich bin noch da. Noch drei Monate, dann soll meine Doktorarbeit fertig sein. Ich werde auch in dieser Zeit weiter bloggen, aber nicht mehr so oft. Ich bitte um Verständnis!


Großartige Musik über 9:59 zum Selberkaufen

4. April 2008

Bei diesem neuen MP3-Verkäufer gibt es einen ganzen Haufen Musik DRM-frei – vieles davon, soweit ich das beurteilen kann, erstmalig in Deutschland. Unter anderem im Angebot ist das (nahezu) komplette Werk von Jethro Tull und Pink Floyd. MP3s kosten € 1,19 – die Länge ist egal, weshalb zum Beispiel diese Perle des Progrock für 2,38 zu haben ist. Ich vermute, das ist so nicht gewollt, denn fügt man das komplette Album dem Warenkorb hinzu, kostet es € 9,79 – den Superpreis gibt’s nur, wenn man die Stücke einzeln hinzufügt.

Zur Serie “Großartige Lieder über 9:59” in diesem Blog

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