Weine nicht um mich, Buenos Aires

22. March 2009

Verreisen könnte so schön sein, gäbe es nicht den gemeinen Zielortohrwurm. Existiert ein Song zu meinem Reiseziel, spukt er mir während der ganzen Fahrt im Kopf herum.

Das funktioniert besonders zuverlässig bei popkulturell gut erschlossenen Gebieten wie den USA. Zwischenstopp in Memphis? Wenn’s gut lief, Mark Cohn. Wenn es schlecht lief, Scooter. Busfahrt nach New York? Frank Sinatra, natürlich. Mit dem Auto nach Miami? Eine alte TV-Titelmelodie. Aber auch andere Ziele haben Tücken. So zum Beispiel Barceloooona, Dublin oder – dieses Tote-Hosen-Videos wegen – Autofahrten nach Italien. Ganze Kontinente sind schlichtweg verboten, und selbst mit den Himmelsrichtungen ist es kritisch.

Insofern weinen weder Argentinien noch ich, dass ich heute abend doch nicht, wie eigentlich geplant, nach Buenos Aires fliege. Sondern nach Santiago de Chile. Gibt es einen Song dazu? Wenn ja, so hat ihn mein Ohrwurm noch nicht gefunden.

Nicht verreisen hilft übrigens auch nicht. Welches Lied wohl läuft, während ich meinen Kühlschrank entfroste? Die Antwort gibt’s hier.

Das waren jetzt sehr viele sehr schlimme Lieder, deswegen hier noch das bewährte Ohrwurm-Gegenmittel:


(YouTube DirektMadM)

(Hier passiert erst Mitte April wieder etwas. Seid artig!)


ثور شتاينر

18. March 2009

Abteilung “gute Vorsätze (erledigt)”: Einem Nazi weismachen, Thor Steinar sei in Wirklichkeit Jude und heiße Jonah Steinblum.

Die Realität hat die bessere Geschichte parat.

(via und Überschrift geklaut beim Hitlerblog)


17 Verrisse

8. March 2009

Die amüsanteste Form der Buchkritik ist der gnadenlose Verriss. Wer sich für 2,90 Euro heute die F.A.S. kauft, bekommt davon reichlich: “17 gute Bücher, die wir hassen

Der “Steppenwolf” von Hesse, z.B.:

“Ein peinliches Künstlerdrama, sonst nichts!” (Julia Encke)

“Schöne neue Welt” von Huxley:

“Klassiker der neuzeitlichen Zivilisationsmiesepeterei” (Dietmar Dath)

“Wälsungenblut” von Thomas Mann:

“Alles, was die Deutschen an Thomas Mann lieben, finden sie in Thomas Manns Erzählung ‘Wälsungenblut’: Worte wie ‘durchaus’, ‘beständig’, dergestalt’, psychologisierenden Kitsch, halbgedachte Gedanken über das große Ganze, unendlich lange, zwanghafte Beschreibungen von Kleidern, Möbelstücken, Physiognomien, fast gar keine Handlung, sehr viel Richard Wagner – und ein paar überhebliche reiche Juden, die in die deutsche Gesellschaft drängen, finanziell und sexuell.” (Maxim Biller)

Bernhard Schlinks “Vorleser”:

“Ein Buch wie eine Kotztüte. Man weiß, was kommt.” (Patrick Bahners)

Der gute Daniel Kehlmann kriegt für seine “Vermessung” auch sein Fett weg, allerdings in Maßen:  “Nicht sehr interessant” sei der Roman. Was natürlich überhaupt nicht stimmt.

Für uns Juristen immerhin hält die Zeitung Tröstliches von Marcel Reich-Ranicki bereit, der grummelnd eine Leserfrage nach dem “Vorleser” beantwortet:

“Was stört Sie daran, dass Bernhard Schlink ein ‘dichtender Jurist’ ist? Auch Heine war ein dichtender Jurist, auch der Geheimrat aus Weimar. Und das sind doch nicht die kümmerlichsten deutschen Autoren.”