Dissertationsstrategien

So geht’s:

  1. Keine Panik.
  2. Kernarbeitszeiten festlegen, dabei möglichst viel Zeit am Stück freiräumen. Ein durchgearbeitetes Wochenende ist besser als zwei Stunden täglich nach der Arbeit; drei Wochen konzentriertes Schreiben bringen mehr als ein Vierteljahr Herumwurschtelei nebenbei. Wozu gibt es denn in Deutschland soviel Urlaub?
  3. Während der Kernarbeitszeiten ausschließlich als an der Dissertation arbeiten, Ablenkungen vermeiden. Das bedeutet: Alle fachfremden Browser-Lesezeichen an einen verbotenen Ort verschieben; nicht bloggen, nicht twittern und den Feedreader ungelesen leeren. Außerdem alle Telefone abstellen, Skype ausschalten, aus allen Chats abmelden, keine Mails abrufen und nicht zum Briefkasten laufen.
  4. Online-Süchtige und Kommunikationsjunkies sollten so viel Arbeitszeit wie möglich an einem Computer verbringen, der nicht an das Internet angeschlossen ist.
  5. “Motivierende” Ratgeberliteratur ignorieren. Ein wirklich nützliches Buch ist dieses hier. Es hat einen entscheidenden Vorteil gegenüber den meisten anderen: Es macht nicht nervös.
  6. Belohnungen ausdenken: Nach 500 Wörtern gibt es eine Pause, nach 1.000 kaufe ich mir dieses neue Album, wenn ich bis Samstagabend 10 Seiten schaffe, dann gehe ich auf jene Party, wenn ich fertig bin, verreise ich.
  7. Sozialen Druck aufbauen: Allen, die es hören wollen (und allen anderen) erzählen, wieviele Wörter, Seiten oder Kapitel man in dieser Woche noch schreiben will. Jeden Abend die Anzahl der geschriebenen Wörter bei Facebook veröffentlichen. Ignorieren, dass man damit entweder für einen Angeber oder für einen Faulenzer gehalten wird.
  8. Die Vorteile nutzen: “Du, ich schreib gerade an meiner Diss”. Dieser magische Satz erlaubt vieles: Kurzfristige Terminabsagen, unausstehliches Verhalten, das Aufschieben dringender Angelegenheiten und sogar vergessene Geburtstage. Und alle haben Verständnis. Genießt es! Diese Zeit kommt so schnell nicht wieder.
  9. Rechtzeitig Korrekturleser anheuern. Es ist erstaunlich, wie viele Tipp-, Rechtschreib- und Grammatikfehler sich nahezu unauffindbar in einem einzigen Dokument verstecken können.
  10. Sich seelisch auf “die Zeit danach” vorbereiten und mit gewaltigen spontanen Stimmungsschwankungen rechnen.

Wie ging es mir nach der Abgabe? Etwa so:


(Youtube Direkthussar)

4 Responses to Dissertationsstrategien

  1. Simon says:

    Waaaahh! Das ist ja grässlich! (Das Lied, meine ich.)

  2. Bernie says:

    Haha, findest Du? Ich find das großartig, es ist knapp unter meiner “10x”-Schwelle vorbeigeschrammt! Aber die Geschmäcker sind ja bekanntlich…😀

  3. Simon says:

    Naja, irgendwie finde ich´s auch cool. Aber wenn man sich gerade 8 Stunden am Stück mit den wirren Gedanken des OLG Stuttgart auseinandergesetzt hat, dann fühlt man sich ein bisschen, wie du dich nach der Diss gefühlt hast. Und dann ist dieses Lied nicht wirklich hilfreich.😎

  4. scheiloranch says:

    Den Tipps schließe ich mich uneingeschränkt an!

    Tipp 11: Das Leben nebenbei nicht vergessen. Eine Diss kann lange dauern. Es nützt nichts, wenn man hinterher keine Freunde mehr hat.

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