Dissertationsstrategien

17. April 2009

So geht’s:

  1. Keine Panik.
  2. Kernarbeitszeiten festlegen, dabei möglichst viel Zeit am Stück freiräumen. Ein durchgearbeitetes Wochenende ist besser als zwei Stunden täglich nach der Arbeit; drei Wochen konzentriertes Schreiben bringen mehr als ein Vierteljahr Herumwurschtelei nebenbei. Wozu gibt es denn in Deutschland soviel Urlaub?
  3. Während der Kernarbeitszeiten ausschließlich als an der Dissertation arbeiten, Ablenkungen vermeiden. Das bedeutet: Alle fachfremden Browser-Lesezeichen an einen verbotenen Ort verschieben; nicht bloggen, nicht twittern und den Feedreader ungelesen leeren. Außerdem alle Telefone abstellen, Skype ausschalten, aus allen Chats abmelden, keine Mails abrufen und nicht zum Briefkasten laufen.
  4. Online-Süchtige und Kommunikationsjunkies sollten so viel Arbeitszeit wie möglich an einem Computer verbringen, der nicht an das Internet angeschlossen ist.
  5. “Motivierende” Ratgeberliteratur ignorieren. Ein wirklich nützliches Buch ist dieses hier. Es hat einen entscheidenden Vorteil gegenüber den meisten anderen: Es macht nicht nervös.
  6. Belohnungen ausdenken: Nach 500 Wörtern gibt es eine Pause, nach 1.000 kaufe ich mir dieses neue Album, wenn ich bis Samstagabend 10 Seiten schaffe, dann gehe ich auf jene Party, wenn ich fertig bin, verreise ich.
  7. Sozialen Druck aufbauen: Allen, die es hören wollen (und allen anderen) erzählen, wieviele Wörter, Seiten oder Kapitel man in dieser Woche noch schreiben will. Jeden Abend die Anzahl der geschriebenen Wörter bei Facebook veröffentlichen. Ignorieren, dass man damit entweder für einen Angeber oder für einen Faulenzer gehalten wird.
  8. Die Vorteile nutzen: “Du, ich schreib gerade an meiner Diss”. Dieser magische Satz erlaubt vieles: Kurzfristige Terminabsagen, unausstehliches Verhalten, das Aufschieben dringender Angelegenheiten und sogar vergessene Geburtstage. Und alle haben Verständnis. Genießt es! Diese Zeit kommt so schnell nicht wieder.
  9. Rechtzeitig Korrekturleser anheuern. Es ist erstaunlich, wie viele Tipp-, Rechtschreib- und Grammatikfehler sich nahezu unauffindbar in einem einzigen Dokument verstecken können.
  10. Sich seelisch auf “die Zeit danach” vorbereiten und mit gewaltigen spontanen Stimmungsschwankungen rechnen.

Wie ging es mir nach der Abgabe? Etwa so:


(Youtube Direkthussar)


Dissertationsstatistik (2)

27. February 2009

Vereinbarter neuer Fertigstellungstermin:
01.03.2009, 0:00 Uhr

Tatsächlicher neuer Fertigstellungstermin:
26.02.2009, 18:30 Uhr

Seiten (Arial, 1,5-zeilig):
242

Wörter:
59.794 (48.564 ohne Fußnoten)

Fußnoten:
846

Mich selbst zitiert:
28x

Einträge im Literaturverzeichnis:
156

Gliederungspunkte im Inhaltsverzeichnis:
134

Vorher in diesem Blog: Dissertationsstatistik. Demnächst mehr dazu. Jetzt: Wochenende!


Dissertationsstatistik

7. July 2008

Vereinbarter Fertigstellungstermin:
30.06.2008, 17:00 Uhr

Tatsächlicher Fertigstellungstermin:
30.06.2008, 16:58 Uhr

Seiten (Arial, 1,5-zeilig):
150

Wörter:
43.421

Fußnoten:
557

Mich selbst zitiert:
27x

Einträge im Literaturverzeichnis:
108

Gliederungspunkte im Inhaltsverzeichnis:
118

Die Statistik ist vorläufig (Änderungswünsche des Erstkorrektors vorbehalten und befürchtet).


Autorenmarotten

23. June 2008

Noch eine Woche bis zur Abgabe meiner Dissertation. Der Text ist fast fertig, die Quellen sind überprüft, die Luft ist raus, ich mag nicht mehr. Jetzt freue ich mich richtig auf das Erstellen von Literatur- und Stichwortverzeichnis: Eintönige, anspruchslose Arbeit, bei der man nicht viel nachdenken muss. Dann ist auch der Urlaub nicht mehr weit.

Und es gibt noch einen Grund zur Freude, nämlich diesen hier:

Jetzt, wo unser Werk im Buchhandel zu erwerben ist und in Bibliothekskataloge aufgenommen wird, verstehe ich die seltsamen Sorgen und Marotten, die von anderen Autoren überliefert sind: Sich vor negativen Online-Shop-Rezensionen fürchten, aber trotzdem täglich nachschauen müssen.  Im Laden heimlich das eigene Buch signieren. Ständig den Email-Posteingang prüfen: Vielleicht hat ja Gabriel Garcia MárquezBernhard Schlink eine Glückwunschmail geschrieben?

Ich brauche wirklich dringend Urlaub.

Hier gibt es übrigens eine Leseprobe (PDF; 1,9 MB).


Handtuch des Staatsrechts

25. May 2008

Ein Handtuch ist von großem praktischen Wert, weiß der Reiseführer “Per Anhalter durch die Galaxis“, und weil ich (1.) bei meiner Dissertation jegliche Hilfe gebrauchen kann und (2.) ohnehin gerade allen Scheiß mitmache, beteilige ich mich am heutigen Towel Day und bringe ein Handtuch ins Büro mit:

Auf den praktischen Nutzen bin ich gespannt. Das Handtuch könnte z.B. all diese dicken Habil-Schriften lesen und mir sagen, ob was Wichtiges drin steht. Es könnte auch meine juris-Suchanfragen übernehmen und mir jede Stunde eine kleine Recherchemappe zusammenstellen. Ach ja, und Kaffee kochen, das wäre toll.


Die Schwelle zum “Jetzt ist’s bald vorbei” überschritten

24. May 2008

Der Dissertations-End-Endspurt beginnt! Es ist Land in Sicht, endlich. Gerade habe ich eine Liste mit den noch offenen Baustellen erstellt – sie passt tatsächlich auf eine A4-Seite! -, morgen folgt dessenthalben eine letzte tiefe Literaturgraberei, dann werden die Baustellen in der nächsten Woche geschlossen und schließlich sind in der übernächsten Woche geschätzte zwanzig Seiten zu füllen, größtenteils damit, dass ich die gewonnenen Erkenntnisse auf konkrete Fälle anwende. Das sollte nicht so schwer sein: Denken und tippen fällt mir leichter als das Umherirren in den Schachtelsätzen fremder Leute.

Bis Ende Juni muss alles fertig sein. Das heißt, ich habe noch drei Wochen für den verkorksten Fußnotenapparat, das Literaturverzeichnis und für allgemeine textliche Verschönerungen. Müsste doch reichen, oder?


Quelle der Mühsal

16. May 2008

Die ersten Kapitel meiner Dissertation habe ich frohgemut heruntergeschrieben, ohne mir groß Gedanken um den Fußnotenapparat zu machen. Der sieht dann so aus:

Gelb markierte Zitate sind noch nicht überprüft. Zur Nachahmung nicht empfohlen!