Andorra

19. October 2007

Ich habe mir Andorra immer als einen glücklichen Kleinstaat vorgestellt. Mitten in den Bergen gelegen, verträumt, ein paar kleine Dörfchen, alte Kirchen, runzlige Bauern. Ja, von wegen.

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(Abbildung: Französisch-andorranische Grenze)

Andorra, weiß die Wikipedia, “gilt als Wintersport- und Steuerparadies”. Ein Steuerparadies… da denkt man an Monaco, mit seinen großen weißen Booten und den schicken Autos, und jederzeit könnte Gunter Sachs um die Ecke biegen, drei betrunkene Prinzessinnen im Arm. Oder an Liechtenstein, mit seinen dicken Mauern und dem demonstrativen Understatement, obwohl man weiß glaubt zu wissen, dass sich hinter jedem verriegelten Fenster dicke Geldbündel stapeln. Das hat Stil.

Andorra hat das alles nicht. Andorra hat Sparkassenarchitektur. Langweilige Gebäude, wohin man blickt, vier bis sechs Stockwerke mit Spitzdach. Und überall stehen Kräne herum und bauen noch mehr dieser faden Kassenhäuschen. In der Hauptstadt, Andorra la Vella, gibt es kein öffentliches Leben – oder auch nur die Möglichkeit dazu. Es gibt keine großen Plätze, kaum Straßencafés, keine Fußgängerzone – und kaum Spuren der ländlichen Vergangenheit. Dafür gibt es einen Liter Benzin für einen Euro und fünftausend Geschäfte für Kleidung, Schmuck und Zigaretten. Ein Steuerparadies für den Kleinsparer.

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(Abbildung: Einkaufsspaß in Pas de la Casa, direkt hinter der Grenze)

Interessanter ist Andorra aus staatsrechtlicher Sicht. Es gibt zwei Staatsoberhäupter – einer davon ist Nicolas Sarkozy (der andere ein spanischer Bischof). Das Frauenwahlrecht gibt es erst seit 1971, eine Verfassung erst seit 1993. Aber um das zu erfahren, muss man nicht hinfahren.

Vielleicht ist es im Winter schöner, wenn eine Schneedecke gnädig den ganzen Jammer verbirgt. Leider kann ich nicht Ski fahren.


Poésie française

13. September 2007

Im Film “Und täglich grüßt das Murmeltier” versucht Phil seine hübsche Kollegin Rita damit zu beeindrucken, dass er ein französisches Gedicht rezitiert (Video, bei 9:10):

La fille que j’aimera
Sera comme bon vin
Qui se bonifiera
Un peu chaque matin

Klappte leider nicht so richtig. Vielleicht hätte er lieber dieses hier ausprobiert:

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Genau das Richtige für den 2. Februar.


Wieder da

10. September 2007

Mit einer Erkenntnis: Es gibt überhaupt keine Schweine in Frankreich. Keines gesehen! Das angebliche Schweine-Napoleon-Gesetz: So überflüssig wie das mecklenburg-vorpommersche Seilbahngesetz.

Ein andermal mehr aus Frankreich.


Abwesenheitsnotiz

1. September 2007

Ich mache eine Woche Urlaub. Auf geht’s nach Frankreich! Ich werde alle Schweine “Napoleon” nennen. Sollte ich nicht zurückkommen, hatte ich wohl unrecht.


Ein Schweinchen namens Napoleon

31. August 2007

Spiegel Online hat skurille Rechtsfälle gesucht und diesen hier gefunden:

In Frankreich ist es gesetzlich untersagt, ein Schwein “Napoleon” zu nennen.

Aha, “gesetzlich”. Wirklich? Die Behauptung taucht ausschließlich in den einschlägigen “Dumb Laws”-Listen auf, die niemals ihre Quellen nennen. Ansonsten: Fehlanzeige. Der Name “Napoleon” wird in den aktuellen französischen Gesetzen nur noch im musealen oder numismatischen Zusammenhang verwendet, von Tiernamen oder sonstigen Beleidigungen steht da nichts (viel Spaß auch bei der Suche nach “empereur” oder “roi”). Zur Beleidigung nach geltendem französischem Recht siehe hier. Der Code Penal von 1810 (englische Version) bestrafte Majestätsbeleidigung (lèse-majesté) nur bei einem Attentat oder einer Verschwörung (complot) gegen das Leben oder die Person des Kaisers (Art. 86). Vielleicht gab es zu Napoleons Zeiten mal ein entsprechendes Gerichtsurteil, aber das wäre erstens wenig überraschend, zweitens kein “Gesetz” und drittens keine Handlungsanweisung für heutige Ordnungs- oder Strafverfolgungsbehörden.

Ob die Redaktion all dies bedacht hat? Hat sie bessere Quellen gefunden? Ich glaube nicht. Die ganze Geschichte ist wohl eher eine urbane Legende – und SPON ist darauf hereingefallen.

Ein klarer Fall von “Recherchophobie“.


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